Als ich mit dieser Frage in das Wespennest
liebreizender russischer Frauen in Hannover stach, wurde ich umgehend mit den
Stacheln grenzenlosen, temperamentvollen Wortschwalls attackiert, der mir
zuweilen wenig koordiniert, ja vielleicht sogar auch einen Hauch
undiszipliniert erschien. Eilig machte ich Notizen, um dem Leser ein paar
wertvolle Fragmente dieses Erlebnisses im Sinne einer wirklich authentischen
Zusammenfassung zu erhalten.
In der Gesellschaft der Sowjetunion
bestanden gewachsene und gefestigte Strukturen; die Menschen, auch die Frauen
hatten nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern es bestand eine
Arbeitsverpflichtung. Um dies zu realisieren gab es umfangreiche, staatliche
Angebote für die Kinderbetreuung, die engen zeitlichen Begrenzungen nicht
unterworfen waren. Vieles war durchaus ähnlich geregelt, wie manche es noch aus
der DDR kennen. Mehr als die Hälfte der russischen Frauen hatten eine
Hochschulausbildung, womit sie die Bildung der Männer statistisch übertrafen.
Beide Partner hatten Arbeit, ihre finanzielle Situation war nicht üppig, aber
gesichert, so auch die Renten.
Trotzdem galt der Mann als der Versorger
der Familie und hatte auch die Stellung als Familienoberhaupt inne. Die Frauen
kümmerten sich neben ihrem Beruf um den Haushalt und um die Kindererziehung und
ihre hübsche Erscheinung, Kleidung, Mode und Schminke haben für die sehr
weibliche, russische Frau einen hohen Stellenwert. Sicherlich, das ist alles
kein Leckerbissen für die deutsche Auffassung von Emanzipation.
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion
änderte sich die stabile Lebenssituation der russischen Frauen schlagartig.
Viele mussten das wie einen freien Fall in die Ungewissheit empfinden. Darin
ist sicher auch einer der Hauptgründe dafür zu suchen, dass viele russische
Frauen diese alte Sicherheit, ihr Heil und ein neues Glück im Ausland suchten.
Die russische Gesellschaft nahm die starke Abwanderung der Frauen als großes
Unglück war. Bereits zu Jelzins Zeit wurde öffentlich darüber diskutiert, dass
Russland seinen größten Schatz verliert. Damit war nicht Gold und Silber, Öl
und Gas, Waffen und Plutonium gemeint, nein, der Verlust so vieler gebildeter
Frauen war zum echten gesellschaftlichen Problem geworden.
Die Hochachtung, die die Russen vor ihren
Frauen haben, kann man in der russischen Literatur nachlesen. Puschkin
beschreibt den Aufstand der Dekabristen (Dezember 1825) mit dem Zusatz, dass
die treuen Frauen jener Adligen, die Zar Nikolaus I. damals in die Verbannung
nach Sibirien entsendete, ihren Männern freiwillig folgten in unerträgliche
Lebensumstände. Oder nehmen wir ein bekanntes Gedicht von Nekrassov, in dem er
lyrisch ausmalt, wie die russische Frau mit ihrer Tatkraft und wilden
Entschlossenheit ein Pferd aus dem Galopp zum Stehen bringt und andere aus
brennenden Häusern rettet. Die Frau von Tolstoi, das ist bekannt, schrieb
mindestens sieben Mal diese Riesenschwarte "Krieg und Frieden" mit
der Hand ab.
Und tatsächlich sind die russischen Frauen
überall im Ausland sehr geschätzt eben gerade auch wegen ihres guten
Bildungsstandes und ihres Ehrgeizes für ihre Kinder. So legt die russische
Mutter eine sehr hohe Priorität auf die Bildung- und Ausbildung ihrer Kinder.
Klavier-, Geige- Orgelunterricht sowie Tanz- und Sportverein nach der Schule,
das ist ein völlig normaler Tagesablauf für das Kind einer russischen Mutter.
"Ach, lass doch die Kinder spielen, nur der Spaß am Leben zählt doch,
...", das ist deutscher Quatsch für eine russische Mutter.
Abschießend dann noch ein Hinweis gegen ein
typisches Vorurteil deutscher Männer: Da gibt es besonders sparsame Varianten,
die gleich beim ersten Rendez-vous abprüfen wollen, ob die junge Dame es nur
auf sein Geld abgesehen hat. Heraus kommen dabei derartige Kapriolen, dass er
mit ihr Essen geht und dann beobachtet, ob sie von sich aus auch ordentlich
emanzipiert wie eine deutsche Frau für sich selbst bezahlt. Schminkt Euch das
ab, liebe Männer. Die russische Tradition bringt es mit sich, dass eine Russin
ganz selbstverständlich von der Großzügigkeit und von der Grandezza des Mannes
ausgeht; ist nicht einmal dies vorhanden, dann kann er auch im Leben nichts
taugen, dann ist der nette Abend gelaufen. Wie gesagt Männer, daraus lässt sich
keine Geldgier ableiten, bei keiner Frau, und schon gar nicht bei einer Russin.
Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss,
so drückten es die netten Frauen aus, bei denen ich nachfragte, bevor sie mich
durch den Fleischwolf drehten. Übrigens, da sind immer noch paar ganz
schnuckelige Exemplare dabei, die nach wie vor sehr offen dafür sind, einen
freundlichen, deutschen Mann kennen zu lernen.
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